Qualitätsstandards Online-Beratungsstelle

Qualitätsstandards

Richtlinie und Qualitätsstandards 

der Online-Beratungsstelle bei p.ink door e.V.

(Stand: März 2025)

Psychologinnen, die bei p.ink door e.V. im Rahmen der Online-Beratungsstelle tätig sind, orientieren sich in ihrer Arbeit grundsätzlich an den Berufsethischen Richtlinien des Berufsverbandes Deutscher Psychologinnen und Psychologen e.V. und der Deutschen Gesellschaft für Psychologinnen und Psychologen e.V (Stand 2022).

Sozialarbeiterinnen, die bei p.ink door e.V. im Rahmen der Online-Beratungsstelle tätig sind, orientieren sich in ihrer Arbeit grundsätzlich an der Berufsethik des DBSH (Stand 2014), sowie den Qualitätskriterien des DBSH (Stand 2002).

Zugleich gelten für die psychologischen und sozialarbeiterischen Beraterinnen die internen Richtlinien und Leitfäden (Richtlinie Soziale Arbeit, Leitfaden zur Suizidalität, Werte von p.ink door, Arbeitsweisen bei p.ink door e.V.).


Im Folgenden werden die Qualitätsstandards der Online-Beratungsstelle von p.ink door e.V. beschrieben, die außerdem Richtlinien darstellen. 

Diese dienen nach außen der Beschreibung der Qualität der Online-Beratungsarbeit. Nach innen sind sie ein Mittel, Prozesse vereinheitlicht festzuhalten, um die Qualität der eigenen Arbeit zu erhöhen und immer wieder zu evaluieren.


Kurzbeschreibung des Projekts, der Ziele und der Zielgruppe:

In der Online-Beratungsstelle können Frauen Beratungstermine online vereinbaren und in Anspruch nehmen. Die Terminbuchungen und Beratungen verlaufen anonym, ortsunabhängig und dadurch niedrigschwelliger. 

Zusätzlich zu den persönlichen Beratungen werden regelmäßige Online-Infosessions zu relevanten Themen wie z.B. ärztliche Versorgung oder psychosoziale Gesundheit angeboten. 

Als weiteren Bereich der Online-Beratungsstelle besteht eine Online-Austauschplattform. Hier können sich Frauen aus Prostitution untereinander über Erfahrungen austauschen, Tipps geben und sich gegenseitig unterstützen.


Das Projekt soll mehr Frauen einen niedrigschwelligen Zugang zu sozialer und psychologischer Beratung ermöglichen. Außerdem soll eine umfangreichere Beratung in einer veränderten Prostitutionsrealität (Verlagerung auf den digitalen und privaten Raum) gewährleistet, sowie Zugang zu relevanten Kenntnissen ermöglicht und erleichtert werden.

Schließlich hat das Projekt zum Ziel, Frauen mit Bezug zu Prostitution zu empowern, ihr Verbundenheitsgefühl untereinander stärken und Barrieren abbauen.


Die Zielgruppe ist Frauen über 18, die in Prostitution sind oder waren, sich Unterstützung wünschen und die 1) durch Lebensumstände verhindert sind, persönliche Beratung in Anspruch zu nehmen, 2) eine Erleichterung im Alltag durch das Online-Angebot erfahren, 3) anonym bleiben wollen. 



Die Entwicklung dieser Qualitätsstandards orientiert sich an Qualitätsmerkmalen nach Richard Reindls (2015), die er basierend auf einer Vorstudie zur Entwicklung eines Gütesiegels für Online-Beratungen extrahierte und welche eine Grundlage für den Standardisierungsprozess zur Online-Beratung bilden können.

Die Qualitätsstandards verstehen sich als idealtypische Bedingungen: Wenn ein Kriterium noch nicht erfüllt werden kann (beispielsweise da sich die Online-Beratungsstelle noch im Aufbau befindet oder es an finanziellen Mitteln mangelt), soll die Realisierung der Qualitätsstandards kontinuierlich angestrebt werden (DGfBI, 2022).

Die folgenden Qualitätsstandards werden entsprechend dem Qualitätsmodell nach Donabedians (1966) unterteilt. 

Inhalt


  1. Strukturqualität

1.1 Kostenlosigkeit, Freiwilligkeit und Verbindlichkeit

1.2 Ethische Grundlagen

1.3 Zielgruppenorientierung

1.4 Transparenz des Angebots

1.5 Konzeption

1.6 Qualifikation der Beraterin

1.7 Organisationsstruktur und Prozesse

1.8 Kooperation und Vernetzung

1.9 Personelle und materielle Ressourcen

1.10 Onlineberatungssoftware

1.11 Serversicherheit & Verschlüsselung

1.12 Benutzerinnenfreundlichkeit


2. Prozessqualität

2.1 Rahmenbedingungen der Sitzungen

2.2 Ausschluss psychologischer Beratung und Abbruchkriterien

2.3 Methoden und Haltung der Beratung

2.4 Beratungsansatz und –konzept

2.5 Fallbesprechungen, Teamkooperation und Supervision

2.6 Fort- und Weiterbildung

2.7 Einheitliche Prozesse

2.8 Vertraulichkeit, Datenschutz und IT-Sicherheit


3. Ergebnisqualität

3.1 Dokumentation

3.2 Beschwerdemanagement

3.3 Fallbezogende Qualitätssicherung

3.4 Evaluation


1.Strukturqualität


1.1 Kostenlosigkeit, Freiwilligkeit und Verbindlichkeit

Die Online-Beratung ist grundsätzlich kostenlos.

Die Klientinnen bestimmen selbst, ob sie das Online-Beratungsangebot in Anspruch nehmen und über welches Medium (Chat, Video, Telefon, E-Mail) sie sich Beratung wünschen. Die Klientinnen geben vor, wie häufig und in welcher Frequenz sie sich Beratung wünschen. Es steht Klientinnen zu jeder Zeit frei, die Beratung zu unterbrechen oder zu beenden.

Zum Schutz der Ressourcen der Mitarbeiterinnen und zur strukturgebenden Unterstützung der Klientinnen gilt die zu Beginn der Beratung transparent kommunizierte Vereinbarung: Es gilt, pünktlich zum Termin zu erscheinen, bzw. Verspätungen (ab 15 Minuten) oder Absagen rechtzeitig zu kommunizieren (möglichst min. 3 Stunden vorher). Nach fünf Mal unangekündigtem Verspäten oder Nicht-Erscheinen wird das Gespräch gesucht und Lösungen erarbeitet oder ggf. eine Beratungspause eingelegt.



1.2 Ethische Grundlagen

Die Beziehung zwischen der Beraterin und der Klientin ist eine Arbeitsbeziehung, aus der sich während sowie nach Abschluss der Beratung keine private Beziehung jedweder Art entwickelt.

Die psychologische Beratung erfolgt nach den Berufsethischen Richtlinien des Berufsverbandes Deutscher Psychologinnen und Psychologen e.V. und der Deutschen Gesellschaft für Psychologinnen und Psychologen e.V (Stand 2022), sowie unter Berücksichtigung der fachlichen Eigenverantwortlichkeit der Beraterin.
Die in den Richtlinien enthaltenden berufsethischen Prinzipien lauten “Achtung vor der Würde und den Rechten des Menschen”, “Kompetenz”, “Verantwortung” und “Integrität” und bilden die Arbeitsgrundlage der psychologischen Beratung bei p.ink door e.V..

Die sozialarbeiterische Beratung erfolgt nach der Berufsethik des DBSH (Stand 2014). Die darin beschriebenen Haltungen als Kriterien der Berufsethik lauten grundsätzlich: “Personalität”, “Solidarität”, “Subsidiarität” und “Verantwortung”. Sowie auf persönlich, reflektiver Ebene: “Umgang mit Macht in der helfenden Beziehung”, “Haltung des „Nicht-Wissens“”, “Vertraulichkeit”, “Transparenz, “kritische Parteilichkeit”. Schließlich auf ethisch-fachlicher Ebene: “Politischer Einsatz für eine menschenwürdige Gesellschaft”.


Zusätzlich zu den berufsständischen Prinzipien gelten internetspezifische ethische Prinzipien:


  • Alle Beraterinnen haben ein Bewusstsein darüber, dass sie als Beraterinnen, sowie die Klientinnen im Netz potenziell verstärkt mit Themen konfrontiert sind, die juristisch relevante Grenzen überschreiten.
  • Die p.ink door Online-Beratungsstelle wird ausschließlich auf Seiten verlinkt, die den jeweiligen ethischen Standards entsprechen.
  • Beraterinnen haben eine wertschätzende, empathische und vorurteilsfreie Grundhaltung gegenüber den ratsuchenden Klientinnen inne, unabhängig vom Beratungsanlass.
  • Beraterinnen erkennen eigene Grenzen an und kommunizieren diese.



1.3 Zielgruppenorientierung

Entsprechend der Werte p.ink doors, stehen auch im Rahmen der Onlineberatung die Klientinnen im Mittelpunkt, sodass das Angebot den zielgruppenspezifischen Bedürfnissen entsprechend gestaltet wird.

Dementsprechend ist die Webseite traumasensibel in Sprache und Optik gestaltet, sowie inhaltlich auf das Wesentliche beschränkt und optisch übersichtlich, nachvollziehbar und schlicht eingerichtet. Außerdem wird einfache Sprache verwendet, sowie Mehrsprachigkeit (z.B. Englisch oder in Absprachen mit Integrationslotsen: russisch, bulgarisch, ungarisch etc.) angeboten. 

Die Webseite beinhaltet einen barrierefreien Zugang, verständliche Erklärungen zur Nutzung der Online-Beratung, sowie eine “Notausgang” Schaltfläche.

Um einen möglichst niedrigschwelligen und vielfältigen Zugang zu ermöglichen, wird Beratung über Chat, Telefon und Video, sowie der Vollständigkeit auch E-Mail, angeboten.



1.4 Transparenz des Angebots

Die Rahmen- und Nutzungsbedingungen der Online-Beratungsstelle wird den Klientinnen schnell und verständlich kommuniziert:


  • die Qualifizierung und Ausbildung der Beraterinnen
  • die Erreichbarkeit der Beraterinnen
  • Information über die Kostenlosigkeit
  • Informationen zu den Leistungen sowie den Grenzen des Angebots (z.B. psychotherapeutische Behandlung, akute Krisensituationen)
  • Informationen über die Anonymität, sowie den Datenschutz



1.5 Konzeption

Es liegt ein schriftlich fixiertes Funktionskonzept der Webseite sowie Konzept der Online-Beratungsstelle vor, welches den Kontext des Onlineangebots, die Organisationsform, die Ziele, die Zielgruppe, sowie die festgelegte Responsezeit beinhaltet.



1.6 Qualifikation der Beraterin

Die psychologische bzw. sozialarbeiterische Beratung erfolgt durch qualifizierte Beraterinnen je nach Beratungsangebot:


  • Bachelor-/ Master-/ Diplomabschluss in Psychologie oder Bachelor-/Master-Abschluss in Sozialarbeit oder eine vergleichbare Qualifikation
  • Gesprächsführungskompetenzen, Kommunikationsfähigkeiten, Kooperationsbereitschaft
  • Emotionale Belastbarkeit
  • -Fortlaufende Weiterbildung (v.a. im traumatherapeutischen/-pädagogischen Bereich)

Außerdem wird Beratung ausschließlich von weiblichen Beraterinnen angeboten.



1.7 Organisationsstruktur und Prozesse

Die Rollen, Funktionen und zentralen Prozesse im Rahmen der Onlineberatung sind klar beschrieben.

Im Rahmen dessen liegt ein Organigramm der Mitarbeitenden der Beratungsstelle vor, das eindeutige Auskunft über Rollen und Aufgaben gibt.

Es gibt festgelegte Zeiten der Beraterinnen für die Chatberatung.

Darüber hinaus sind entweder die Psychologin oder die Sozialarbeiterinnen für die Fälle verantwortlich, die Bedarf für den jeweiligen Bereich (psychologische Beratung, sozialarbeiterische Beratung) angeben. 

Die Beraterinnen arbeiten mit einem spezifischen Beratungsansatz der Personenzentrierten Gesprächsführung (C. Rogers) und beraten mit einer systemischen Haltung. Im Zentrum steht immer die Klientin als Expertin ihrer Geschichte.

Es liegen schriftliche festgelegte, einheitliche Regelungen und Leitfäden für verschiedene Prozesse vor:

-      Aufnahmeprozess neuer Klientinnen

-      Abschluss eines Beratungsprozesses

-      Suizidalität

-      Vertretungsregelungen

-      Übergabe von Fällen an Kolleginnen

-      Standardisierte, einheitliche Antworten auf häufig gestellte Fragen hinsichtlich der Online-Beratung

-      Übernahme/Weiterführung von Beratungsanfragen

-      Konfliktgespräch

-      Hochrisikofälle



1.8 Kooperation und Vernetzung

Die Online-Beratungsstelle kooperiert mit weiteren Stellen, die ihre Arbeitsstelle betreffen, z.B. weitere Online-Beratungsstellen für Frauen mit Prostitutionsbezug und ist Teil verschiedener Netzwerke. Es besteht stets das Bestreben, sich weiter zu vernetzen und in den Austausch zu treten.



1.9 Personelle und materielle Ressourcen

Folgende Faktoren hinsichtlich personeller und materieller Ressourcen sind bestimmt:

-      Die Zahl der Onlineberatenden beträgt 3 (zwei Sozialarbeiterinnen, eine Psychologin)

-      Das Projekt wird von Fördermitteln der Deutschen Fernsehlotterie bis 2027 finanziert,

-      Den zielgruppenspezifischen Bedarfen wird entgegengekommen durch speziell qualifizierte Fachkräfte (s. 1.6)

-      Es besteht ausreichende technische Ausstattung in allen Belangen (Hardware, Serververfügbarkeit, unterbrechungsfreie, schnelle Internetverbindung, sichere Onlineberatungssoftware).



1.10 Onlineberatungssoftware

Es werden die Softwares youcanbook.me und tawk.to verwendet. Diese entsprechen den Anforderungen der Zielgruppe, sowie den Anforderungen des Datenschutzes und der Benutzer:innenfreundlichkeit.

Die Online-Softwares sind anpassungsfähig hinsichtlich des Designs, Aufbaus, der Angebote und des Inhalts, je nach Erfahrungswerten, die mit der Zielgruppe in der Online-Beratung gemacht werden, sowie flexibel hinsichtlich Weiterentwicklungen und Erweiterungen.

Auch der erreichbare technische Support mit kurzer Reaktionszeit ist sichergestellt.

Die Zuständigkeit für die Datenbankverwaltung (Beraterinnen) und die Softwarepflege durch Verwaltungsleiter und Datenschutzbeauftragten ist einheitlich geklärt.



1.11 Serversicherheit & Verschlüsselung

Die Beratung findet ausschließlich auf einem hochverfügbaren und verschlüsselten Server und nur auf p.ink door e.V. Geräten statt. Dadurch wird sichergestellt, dass keine personen- und beratungsbezogenen Daten auf den persönlichen Rechnern von Beratenden gespeichert werden können. Außerdem wird eine SSL-Verschlüsselung der Übertragungswege zur sicheren Datenübertragung verwendet.

Es liegt eine klare und einheitliche Zuständigkeit für Datenbankverwaltung durch die Beraterinnen, sowie für die Softwarepflege und Hosting durch unseren Verwaltungsleiter, sowie den Datenschutzbeauftragten vor.




1.12 Benutzerinnenfreundlichkeit

Die Software und Webseite der Onlineberatung ist benutzerinnenfreundlich gestaltet. Im Zuge dessen werden die Angebote auf der Webseite in einem ansprechenden und übersichtlichen Design, sowie in einfacher Sprache dargestellt. 

Weiter sind für alle Funktionen verständliche Erklärtexte angegeben. Die Webseite ist mit so viel wie nötig und so wenig wie möglich Text und Optionen ausgestattet, um die Funktionen der Onlineberatungsstelle möglichst übersichtlich, nachvollziehbar und möglichst aufgrund unserer traumasensiblen Haltung nicht überfordernd anzubieten.

Die Dienste sind auf verschiedenen Endgeräten (PC, Tablet, Smartphone) nutzbar.

Die Angabe einer E-Mail-Adresse oder Handynummer, um die Funktionen zu nutzen sind optional, um, falls gewünscht, vollständige Anonymität, sowie einen besonders niedrigschwelligen Zugang zu ermöglichen.

Um die Sicherheit der Nutzung zu steigern, ist eine “Notausgang”-Schaltfläche auf der Webseite integriert.

Die Software wird regelmäßig geupdatet und die Webseite regelmäßig evaluiert und revidiert.

2. Prozessqualität


2.1 Rahmenbedingungen der Sitzungen

Eine Beratungssitzung dauert 50 Minuten. Es wird sorgfältig darauf geachtet, diese 50 Minuten einzuhalten und nur nach Absprache mit der Klientin in einzelnen Fällen verlängert oder verkürzt, um einen angemessenen, traumasensiblen Rahmen zu bieten. 

Die Frequenz der Sitzungen wird je nach Bedarf und Möglichkeit individuell mit der Klientin verhandelt, der Richtwert liegt bei einer Sitzung alle 1-3 Wochen. 

Die Sitzungen finden ausschließlich über die ausgewählte Technologieplattform der Online-Beratungsstelle statt. 

Die Sitzungsinhalte werden während und nach der Sitzung ausreichend dokumentiert und datenschutzkonform gesichert. 



2.2 Ausschluss psychologischer Beratung und Abbruchkriterien

Das Angebot von p.ink door beinhaltet psychologische Beratung mit therapiebasierten Interventionen. Die psychologische Beratung ersetzt keine ambulante oder stationäre Psychotherapie und p.ink door bietet keine Diagnosestellung, Symptom- oder Heilbehandlung.
Dementsprechend kann eine psychologische Beratung vor Beginn ausgeschlossen oder abgebrochen werden, wenn ein Fall nach Einschätzung der Beraterin (im Konsens mit dem sozialarbeiterischen Team und der Gesamtleitung) eindeutig das Angebot der psychologischen Beratung übersteigt und eine ambulante oder stationäre Psychotherapie benötigt wird. Die psychologische Beratung kann in diesen Fällen kurzfristig stabilisierend und als Krisenintervention unterstützen, es muss sich aber um eine angemessene Weitervermittlung (an eine Psychotherapeutin oder Klinik) gekümmert werden. 

In Einzelfällen kann die psychologische Beratung parallel zu einer psychotherapeutischen Behandlung unterstützend wirken.

Folgende Symptome, Diagnosen und Umstände indizieren unter Anderem, dass der Bedarf einer Frau das Angebot der psychologischen Beratung übersteigt: akute Suizidalität (s. Leitfaden Suizidalität p.ink door), Dissoziative Identitätsstörung, akute Psychosen, rituelle Gewalt, sonstige Notsituationen, die beispielsweise erfordern, dass die Frau an einem sicheren Ort untergebracht werden muss.

Außerdem kann eine psychologische Beratung ausgeschlossen oder abgebrochen werden, wenn nach Einschätzung der Beraterin keine compliance besteht, was dementsprechend den Beratungsprozess verhindert.

Erscheinen Klientinnen fünf Mal ohne Absage nicht zum Beratungstermin, wird das Gespräch gesucht (s. Leitfaden Konfliktgespräch), sowie eine Therapiepause über sechs Wochen vereinbart.



2.3 Methoden und Haltung der Beratung

Grundsätzlich erfolgt die methodische Arbeitsweise und Haltung der psychologischen Beratung in Übereinstimmung mit den Werten von p.ink door: personenzentriert, kreativ, kollaborativ, traumasensibel, empowernd.

Methodisch gestaltet sich die psychologische Beratung individuell je nach Fall. Grundsätzlich werden Interventionen angewandt, die in der psychologischen Beratung und Psychotherapie als anerkannte und wirksame Interventionen gelten und für die die Beraterin ausreichend qualifiziert ist.

Die Haltung der psychologischen und sozialarbeiterischen Beratung bei p.ink door stimmt vor allem mit der der Systemischen Therapie überein. Dies beinhaltet die Haltung des Nicht-Wissens und die daraus entstehende Haltung der Neugier, sowie die Exploration durch (systemische) Fragetechniken. Darüber hinaus gründet sich die psychologische und sozialarbeiterische Beratung auf eine Haltung der Neutralität, der Ressourcen- und Lösungsorientierung, des Respekts vor Autonomie, sowie der Annahme des guten Grundes.



2.4 Beratungsansatz und –konzept

Der Beratungsansatz der Präsenzberatung von p.ink door wird auf die Onlineberatung übertragen. Dementsprechend wird auch in der Onlineberatung der Ansatz der Personenzentrierten Gesprächsführung (C. Rogers) verfolgt.

Darüber hinaus arbeiten alle Beraterinnen mit einer akzeptierenden Haltung gegenüber allen Ratsuchenden, unabhängig von Herkunft, sexueller Orientierung, Religionszugehörigkeit, usw. Dies zeigt sich unter anderem darin, dass jede Anfrage beantwortet wird. Sollte die Anfrage nicht mit unserer Zielgruppe oder unserem Beratungsangebot übereinstimmen, wird dies wertschätzend kommuniziert und gegebenenfalls weitervermittelt.

Wenn möglich, wird auf die Kontinuität der Beratungsperson geachtet, sodass Ratsuchenden im Prozess der Vertrauensaufbau erleichtert, sowie ein Sicherheitsgefühl vermittelt wird und um Ressourcen der Beraterinnen zu schonen. 

Das Angebot ist so niedrigschwellig wie möglich gestaltet, z.B. durch die Möglichkeit der anonymen Nutzung und durch optionale Registrierung (s. 1.12 Benutzerinnenfreundlichkeit).



2.5 Fallbesprechungen, Teamkooperation und Supervision

Im wechselnden Rhythmus finden alle zwei Wochen Fallbesprechungen zwischen den Sozialarbeiterinnen und Gesamtleiterin, sowie Psychologin und Gesamtleiterin statt. Alle drei Monate findet ein interkollegialer Fallaustausch zwischen den Sozialarbeiterinnen und der psychologischen Beraterin statt, sowie immer dann, wenn ein Fall es erfordert.

Einmal monatlich finden Teammeetings, sowie viermal im Jahr Quartalsmeetings im gesamten Team statt.

Alle drei Monate nimmt die Beraterin Supervision bei einer externen Supervisorin in Anspruch. Einmal halbjährlich findet eine Gruppensupervision mit allen Beraterinnen statt.



2.6 Fort- und Weiterbildung

Die kontinuierliche fachliche Qualifizierung der Beraterin ist durch jährliche Teilnahme an fachspezifischen Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen sichergestellt. 



2.7 Einheitliche Prozesse

Für bestimmte Gesprächssituationen (Kennenlerngespräch, Aufnahmegespräch, Konfliktgespräch, Abschlussgespräch) liegen interdisziplinär im Team erarbeitete und schriftlich festgehaltene, einheitliche Abläufe und Dokumente vor, die für die Arbeit verwendet und fortlaufend evaluiert und angepasst werden.

Im Rahmen dessen werden zu Beginn eines Beratungsprozesses die einheitlichen Regeln von p.ink door kommuniziert: 1. Respektvoller Umgang (keine Waffen, Drogen/Alkohol, sexuelle Handlungen; draußen Rauchen; respektvolle Sprache), 2. Konflikte offen ansprechen (s. “3.1 Beschwerdemanagement”), 3. Zuverlässigkeit (s. “2.7 Vertraulichkeit und Datenschutz”).

Des Weiteren liegen im Team vorformulierte, einheitliche Antworten auf häufig gestellte Erstanfragen vor. Dies wirkt einerseits ressourcensparend für Mitarbeitende und gewährleistet außerdem, dass alle Klientinnen einheitliche, übereinstimmende Informationen zu den Angeboten von p.ink door erhalten.



2.8 Vertraulichkeit, Datenschutz und IT-Sicherheit

Die Vertraulichkeit der psychologischen Beratung wird gewährleistet durch:


  • Die Aufklärung der Klientinnen über die rechtlichen und fachlichen Rahmenbedingungen der Arbeit, insbesondere dass sich die Mitarbeitenden verpflichten, sämtliche persönlichen, intimen und vertraulichen Informationen, die während der Begleitung bekannt werden, nicht an Dritte weiterzugeben und vertraulich zu behandeln.
  • Die Aufklärung der Klientinnen, dass Informationen, die für die Begleitung relevant sind, lediglich in p.ink door-internen Besprechungen unter den Sozialarbeiterinnen, der Psychologin und der Gesamtleiterin ausgetauscht werden.
  • Die Verpflichtung der Klientinnen selbst, sollte im Rahmen der Angebote p.ink doors Kontakt zu anderen Klientinnen zustande kommen, sämtliche persönlichen, intimen und vertraulichen Informationen, die während der Angebote bekannt werden, nicht an Dritte weiterzugeben und vertraulich zu behandeln.
  • Die Sicherstellung des Schutzes des Privatgeheimnisses auch im Telefon- und (digitalen) Schriftverkehr sowie in der elektronischen Datenverarbeitung.
  • Den vertraulichen Umgang mit der Adresse des p.ink door Büros.
  • Die IT-Sicherheit wird außerdem gewährleistet durch:
  • Die Gewährleistung einer hohen Verfügbarkeit von Servern und Rechnern,
  • Vorkehrungen zum Datenschutz (u.A. SSL-Verschlüsselung, DSGVO-konforme Webseite),
  • restriktive, einheitliche und eindeutige Regelung zur Speicherung und zum Zugriff auf Datenbestände,
  • das Vorhandensein eines Datenschutzbeauftragten.

3. Ergebnisqualität


3.1 Dokumentation

Die Dokumentation erfolgt ausschließlich digital in der internen, datenschutzkonformen und verschlüsselten Software in den jeweils angelegten Fallakten. 

Personenbezogene Daten von Klientinnen werden DSGVO-konform gespeichert und gelöscht, sofern der Beratungsprozess mit diesen Klientinnen zu diesem Zeitpunkt abgeschlossen ist und sie keine andere Regelung wünschen.



3.2 Beschwerdemanagement

Für die Onlineberatung gilt die gleiche schriftlich fixierte Regelung für den Umgang mit Beschwerden von Klientinnen, wie sie bei p.ink door grundsätzlich gilt. 

Zunächst wird erbeten, das Gespräch mit der Beraterin selbst zu suchen. 

Falls sich dies als nicht wirksam oder ausreichend erweist, wird ein Gespräch mit der Gesamtleitung per Mail gesucht. 

Als letzte Instanz kann der Vorstand kontaktiert und einbezogen werden.

Außerdem ist die Möglichkeit zum Feedback auf der Webseite eingerichtet und in regelmäßigen Abständen um eine Evaluation des Beratungsprozesses gebeten.



3.3 Fallbezogene Qualitätssicherung

Hohe Beratungsqualität kann nur mit Hilfe von Qualitätssicherung geboten werden.

Es liegen eindeutige Zuständigkeiten für auf der Webseite kommunizierte Zeiträume zur Beantwortung der Anfragen vor.

Diese Qualitätsstandards dienen dazu, Prozesse vereinheitlicht festzuhalten, um die Qualität der eigenen Arbeit zu erhöhen und immer wieder zu evaluieren. Dementsprechend findet einmal pro Quartal im Team, das für die Online-Beratungsstelle zuständig ist, ein Evaluationsmeeting statt. Im Rahmen dessen tauschen sich die Beraterinnen über Erfahrungswerte der Onlineberatungstätigkeit im vergangenen Quartal aus, werten Feedback von Klientinnen aus und evaluieren die Qualität anhand der vorliegenden Qualitätsstandards, sowie implementieren, sofern nötig, Veränderungen.

Eine fortlaufende Weiterbildung, spezifisch im Bereich der psychosozialen Online-Beratung, wird angestrebt.

Zur fallbezogenen Qualitätssicherung finden regelmäßig Fallbesprechungen, sowie Supervision/Intervision unter den Beraterinnen statt.



3.4 Evaluation

Zu Beginn des psychologischen Beratungsprozesses findet eine Auftragsklärung und persönliche Zielsetzung statt. Dieser Auftrag und die Ziele werden während des Beratungsprozesses immer wieder aufgegriffen, evaluiert und wenn nötig angepasst oder erweitert, sowie zum Abschluss der Beratung ausführlich besprochen und evaluiert.

Sofern es für den Prozess und den individuellen Fall angemessen und sinnvoll erscheint, können außerdem bestimmte Parameter (z.B. Selbstwirksamkeit, subjektives Wohlbefinden) anhand evaluierter Fragebögen zu verschiedenen Zeitpunkten des Beratungsprozesses eingesetzt werden und die Ergebnisse gemeinsam besprochen werden.

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